Die andere Contax

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Die Zeiss-Ikon (Pentacon) Contax-Spiegelreflex

Die Spiegelreflexkamera stirbt aus – die Möglichkeit, das vom Objekitv gezeichnete Bild vom Aufnahmechip direkt auf ein hochauflösendes miniaturisiertes Display zu übertragen, macht in modernen Digitalkameras die aufwändige Spiegelmechanik überflüssig. Aber für ein Dreivierteljahrhundert und bis weit in die digitale Ära war die einäugige Kleinbild-Spiegelreflexkamera der Standard in der gehobenen Kleinbildfotografie, nur ein paar Nonkonformisten haben sich verzweifelt an ihre Leicas geklammert (und ignoriert, dass Leitz/Leica auch ein paar schöne Spiegelreflexen gebaut hat, aber das ist eine andere Geschichte.).

Die Dresdener Contax Spiegelreflex ist einer der wichtigsten Meilensteine auf dem Weg zur modernen Spiegelreflexkamera. Das ursprüngliche Modell, die seit Ende 1949 verkaufte Contax S, war vielleicht nicht die erste Kamera mit Dachkantprisma – das wird die italienische Rectaflex gewesen sein, die den Markt ein paar Monate früher erreicht hatte. Sie war aber die erste Kamera mit diesem Suchersystem, die in nennenswerten Zahlen verkauft wurde. Mit der Kamera wurden in konstruktiver Hinsicht mehrere Weichen gestellt, die den Kamerabau bis in die Neuzeit maßgeblich geprägt haben:

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Spiegelreflexkameras mit seitenrichtigem Suchereinblick gab es vor 1949 nicht, danach wurde das Standard. Das für die Kamera gerchnete, für damalige Verhältnisse sehr lichtstarke Biotar hat den Weg für die Normalobjektive künftiger Generationen von Spiegelreflexen gewiesen, indem es den Doppelgauß-Typ als Lösung für das Problem präsentierte, dass der Spiegel eine große Schnittweite erforderte. Damit waren die 50mm-Sonnare Geschichte, mit denen die Messucher-Contaxe ihre Überlegenheit gegenüber vergleichbaren Leitz-Angeboten aufrechterhielten. Und auch unter der Haube gab es eine wegweisende Innovation – die konstruktive Trennung von Verschlussablauf und Verschlusssteuerung mittels eines gesondeten Zeitbildungswerks, eine Anordnung, die sich für die modernen – seit der Contarex „electronic“ elektronisch gesteuerten – Verschlüsse durchgesetzt hat. Auch der M42-Objektivanschluss war für eine Weile quasi Standard. Ausführliche technische und historische Informationen zur Entstehung der Contax gibt es auf dieser exzellenten Seite.

Die Contax S und ihre Nachfolger sind vergleichsweise kompakt und lehnen sich in Details – wie der achteckigen Deckkappe – am Design der Sucher-Contax an.

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Die erste Version des Typs, die Contax S, hat der Kamera durch große Unzuverlässigkeit gründlich den Ruf verdorben und die Kameraproduktion bei Zeiss Ikon / Pentacon in Dresden längerfristig zum Zuschussgeschäft verdammt. Ivor Matanle („Collecting and using Classic SLRs“) beschreibt auch die nachfolgenden Generationen noch als unzuverlässig; schwerwiegende Konstruktionsfehler waren aber ab der Contax D wohl beseitigt.

Bei meinen beiden habe ich mal die Verschlüsse reinigen und justieren lassen, seither funktionieren sie wie neu. Die große Innovation bei Modell F war die Einführung der Blendenauslösung über einen Stößel am Objektiv; der Blendenring am Biotar kann gespannt und die Aufnahmeblende vorgewählt werden, dann ist die Blende bis zum Auslösen offen. Die Konstruktion schließt auch bei moderneren M42-Objektiven über den dafür vorgesehenen Stößel die gewählte Blende vor der Aufnahme.