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Contax-Objektive für den preisbewussten Kunden

Tessar, Planar und Triotar

Wer sich in den 1950er Jahren eine Stuttgarter Contax leisten konnte, hatte zumeist auch das Geld für die bestmögliche Objektivausstattung. Das hieß: Das 50er sollte dann schon ein Sonnar sein, ebenso das 85er, bei dem man auf den ersten Blick sehen konnte, wo das Geld geblieben war, und das 35er der Wahl war das Biogon.

Für Kunden, die sich schon beim Kameragehäuse finanziell verausgabt hatten, gab es jedoch preiswerte Alternativen. Weniger lichtstark, deutlich billiger und trotzdem genauso gut? Mal sehen. Damals waren die jedenfalls nicht allzu sehr gefragt, was dazu führt, dass sie heute nicht so häufig auf dem Gebrauchtmarkt anzutreffen sind.

Contax IIa mit CZJ Tessar 3.5/50

Für meinen kleinen Rundgang durch den Hafen habe ich ein frühes Tessar aus Jena eingesteckt. Ein Tessar 3.5/50 mm gab es schon für die ersten Contaxe, war aber aus den oben genannten Gründen nie sonderlich beliebt. Zeiss Ikon bot das von Carl Zeiss Jena gebaute Tessar mit den frühen Contax-Cameras an, was das Paket ca. 200 DM günstiger machte als die Version mit dem Sonnar 2.0/50. Das war viel Geld damals!

Versenkbare Fassung

Das Jenaer Tessar war das einzige Objektiv mit versenkbarer Fassung, das es für die Contax gab. Anders als ein Leitz Elmar lässt es sich aber nur ein Stück weit einfahren, nicht bis zur vorderen Umrandung. Man muss beim Fotografieren immer schauen, dass das Objektiv in ausgefahrenem Zustand festgestellt ist. Selbst dann hat meines -wohl altersbedingt – noch etwas Spiel, was mit etwas Pech zu Unschärfen am Bildrand führt, wenn es nicht ganz gerade drin ist. Optisch ist das Objektiv aber makellos. Zeiss Oberkochen hat bei der späteren eigenen Version auf die versenkbare Fassung verzichtet, die West-Tessare dürften – jedenfalls die erforderlichen ein, zwei Blenden abgeblendet – zu den schärfsten Normalobjektiven gehören, die es für die Contax gab.

Bug der Schoneryacht Skythia im Rostocker Stadthafen, Tessar 3.5/50

Als preiswerte Alternative zum aufwändigen und seinerzeit unübertrefflichen Biogon 2.8/35 boten die Oberkochener ab 1954 ein Planar 3.5/35 an. Auch hier konnte der geschätzte, aber weniger betuchte Kunde 200 DM gegenüber dem Biogon sparen (255 DM vs. 460 DM). Heute ist es relativ selten und auf dem Markt oft teurer als ein Biogon.

Contax IIa mit Planar 3.5/35 und passendem Sucher für 35mm.

H.J. Kuc schreibt in seinem Standardwerk zur Contax, der Käufer „erhielt ein attraktives Objektiv, dessen Abbildungsleistungen für die meisten Fälle ausreichte“ – klingt wie „hat sich stets bemüht“ im Arbeitszeugnis. Ich denke ja, man sollte alte Objektive – und viele neue – für die beste Schärfe immer etwas abblenden, was ich hier auch getan habe. An den Ergebnissen habe ich nichts auszusetzen; wahrscheinlich ist das Biogon bei 3.5 besser als das Planar weit offen, aber was solls. Bilder kann man damit jedenfalls machen:

Rostocker Stadthafen, Planar 3.5/35mm
Zwei Anker, Planar 3.5/35

Die günstige Alternative zum berühmten Sonnar 2/85 war das Triotar 4/85. Moment mal, Triotar? Ein Dreilinser? Für ein Top-Kamerasystem? Oh, ihr Ahnungslosen!

Contax IIa mit Triotar 4/85 und Meßsuchervorsatz für 85 und 135 mm

Das Triotar von Zeiss Oberkochen wurde ab 1953 angeboten. Es gab vor dem Krieg ein 85er Triotar aus Jena, dem keine allzu gute Abbildungsleistung nachgesagt wird. Die Oberkochener Kollegen haben sich dann nochmal an den Rechentisch gesetzt und das Ding neu gerechnet. Man muss wissen, dass gut konstruierte 3-linsige Triplets bei relativ geringer Lichtärke und kleinem Bildkreis eine sehr gute Korrektur aufweisen und sehr scharfe Bilder erzeugen können. Wegen der geringen Linsenzahl verlieren sie auch nicht soviel Licht auf dem Weg vom Motiv zum Film und arbeiten kontrastreich. Natürlich hat so ein fettes, schweres 85er Sonnar mehr Prestige. Läßt man mal die Vorbehalte gegen das Einfache beiseite, kriegt man mit dem Triotar ein exzellentes und viel leichteres kleines Tele. Niemand Geringeres als Leitz Canada hat 11 Jahre später die Idee geklaut und ein 3-linsiges Elmar 4/90 gerechnet, das den zeitgenössischen Leica-Teles in der Abbildungsqualität mindestens ebenbürtig, vielleicht überlegen war, aber das ist eine andere Geschichte.

Buganker, Triotar 4/85
Segel, Triotar 4/85

Gegen die Abbildungsqualität ist nichts einzuwenden, das Sonnar ist nicht besser.

Der Messsucher der Contax (eine Herausforderung für Brillenträger!) zeigt das Bildfeld für das 50er, ohne Parallaxausgleich. Man braucht also irgendwas für Objektive anderer Brennweiten, seien das Aufstecksucher – der sparsame Kunde nimmt Universalsucher:

Revolversucher Zeiss Ikon West (l) und Ost (r), Mehrfachleuchtrahmensucher (m)

… oder für die Teles einen Messsucheraufsatz:

Contax IIa mit Triotar 4/85 und Messsucheraufsatz

… vor dem aus heutiger Sicht nur gewarnt werden kann – man schaut durch ein nadelkopfgroßes Loch am Suchereinblick, das zum Zweck des Parallaxausgleichs verschoben wird. Effektiv sieht man gar nichts mehr. Für mich ist der beste Contax-Sucher für alles zwischen 35mm und 135mm der kurios aussehende Mehrfachleuchtrahmensucher, durch den ich sogar ohne Brille gut sehen kann.

Segel; Triotar 4/85

Nachdem ich nun die Sparversionen für die gängigsten Brennweiten alle mal ausprobiert habe, kann ich nur festhalten, dass mich keines der Objektive enttäuscht hat. Mit allen konnte ich gut arbeiten, Defizite bei den Bildern sind eher meinem Unvermögen geschuldet als den Objektiven. Dem Ruf des legendären Kamerasystems machen jedenfalls auch die „billigen“ Objektive alle Ehre.

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